Scrolli Labs presents
A cultural awakening
From oil to culture: Saudi Arabia's 2030 transformation
Saudi Arabia is undergoing a cultural revolution.
As oil's dominance fades, a new era of artistic expression emerges.
Can the kingdom create a lasting cultural impact by 2030?
Heavy investments in cinema, music, art, and literature are underway.
But will this be enough to put Saudi Arabia on the global map?
The future of Saudi Arabian culture is full of possibilities.
Thomas Birkner
Marion Dönhoff
DIE GESCHICHTE EINER JAHRHUNDERTJOURNALISTIN

38 Milyar Dolarlık Bahis: Oyun Endüstrisi
Inter
Suudi Arabistan'ın toplam nüfusu yaklaşık 35 milyon. Her nokta 100.000 kişiyi temsil ediyor — krallığın beşeri ölçeğini bir bakışta kavrayın.
Şimdi nüfusu ikiye ayıralım: 23,5 milyon aktif oyuncu — yani nüfusun yüzde 67'si — ve oyun oynamayan 11,5 milyon kişi. Oyun, bir azınlık uğraşı değil; ülkenin baskın kültürel gerçekliği.
İşte bu devasa oyuncu kitlesi, Savvy Games Group'un 38 milyar dolarlık yatırımının gerekçesi. 2030 hedefi net: sektörün GSYİH'ye katkısı 13,3 milyar dolar, 39.000 yeni iş. Noktaların yoğunluğu, krallığın bu alana neden dünyanın en büyük bahsini oynadığını gösteriyor.
Savvy Games Group yatırım verileri, Suudi Arabistan Genel İstatistik Otoritesi nüfus ve oyuncu istatistikleri (2024-2025)
»Marion Dönhoff war eine Ikone des bundesdeutschen Journalismus!«
Klaus Harpprecht (2009, S. 474) nennt sie „ohne Zweifel die angesehenste deutsche Journalistin“. Weil sie fast das gesamte Jahrhundert des Journalismus lebte und ihm auch ihren Stempel aufdrückte, soll sie hier als herausragende Figur das Jahrhundert des Journalismus verkörpern.

Müsste man dem Jahrhundert des Journalismus ein Gesicht geben, es könnte sehr gut jenes von Marion Dönhoff sein. Geboren 1909, verstorben 2002, war sie eine der bedeutendsten deutschen Journalist:innen. Die „Gräfin“ kam aus adeligem Hause und wurde eine „der großen Damen des Journalismus“ (Hofmann, 2019, S. 12) und eine „Ikone des bundesdeutschen Journalismus“ (Weischenberg, forthcoming) bzw. „eine der großen Journalistinnen des 20. Jahrhunderts“ (Sommer, 2022, S. 286).
Insbesondere prägte sie als Redakteurin, Chefredakteurin und Herausgeberin die Geschicke der Wochenzeitschrift DIE ZEIT und damit auch den bundesrepublikanischen Diskurs. Und es war in ihrem Falle keineswegs nur ein westdeutscher Diskurs, denn gerade das Verhältnis von West und Ost bewegte die Gutsherrin aus Ostpreußen. Ihr Ringen ist nachzulesen in ihren Artikeln, ihr Kampf gegen die „braunen“ Autoren zu Beginn bei der ZEIT ist gut belegt. Sie ist keineswegs eine typische deutsche Nachkriegsjournalistin, aber ihr Leben und Wirken sind aufs Engste mit der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert verwoben – deshalb steht sie hier beispielhaft für die Akteure des Journalismus.
Und sie steht für den langen Weg nach Westen, den der Historiker Heinrich August Winkler so eindrucksvoll in zwei Bänden beschrieben hat (Winkler, 2001a, 2001b). Es hat gedauert, bis Marion Dönhoff im Westen ankam und den Osten in Teilen hinter sich lassen konnte. Für die Gräfin war es 1945 zunächst ein Ritt gen Westen, so auch der Titel eines ihrer ersten Artikel für die ZEIT. Siegfried Weischenberg (forthcoming) schreibt, man müsse ihr Leben von hinten ‚aufzäumen‘ – zumindest vom Ende des ersten der „zwei Leben der Gräfin“ im Jahre 1945, als sie auf dem Rücken ihres Pferdes die ostpreußische Heimat verließ.“ Das passt natürlich sehr gut zum Konzept unserer Seite hier und so wollen wir auch das Leben von Marion Dönhoff rückwärts erzählen. Als die Gräfin 2002 starb, versammelten sich zahlreiche der großen Männer der Bundesrepublik zur Trauerfeier erschienen, darunter wie Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker, Rudolf Augstein und Theo Sommer, einer ihrer Buben. (Haug von Kuehnheim: Marion Dönhoff. Eine Biographie, S. 135–139)
Theo Sommer war ihr erster Schüler und später ihr Nachfolger als Chefredakteur. Er schrieb in seinen Erinnerungen über seine journalistische Lehrmeisterin: „Sie lehrte uns, dass Journalismus nicht eitles Pfauengespreiz ist, sondern ein Metier, in dem man es sich schwer zu machen hat; dass lesen muss, wer schreiben will; dass der Einfall nie die Arbeit ersetzt, dass Augenmaß nicht Leisetreterei bedeutet; dass Sinn für Zukunft sich verbinden muss mit Sinn für Herkunft. Festgefügte Kriterien, Geduld, Detailplackerei und Unerschrockenheit – in dieser Mischung lag das Geheimnis ihres Wirkens und ihrer Wirkung.“ (Sommer, 2022, S. 296-297).
Auch Haug von Kuenheim würdigte ihre moralischen Maßstäbe für guten Journalismus in einem Text der Süddeutschen Zeitung: „Sie wurde nicht der geniale Blattmacher, wie Henri Nannen, der dem Stern von der ersten bis zur letzten Seite seinen Stempel aufdrückte oder wie Rudolf Augstein, der vorschrieb, was dem Spiegel frommt. Marion Dönhoff machte DIE ZEIT auf andere Weise zu ihrer Zeit: Sie legte Maßstäbe fest, unerbittlich, und ließ keinen Zweifel, was in ihren Augen guter Journalismus sei, der mehr mit Moral als mit Marketing zu tun hatte, mehr mit Überzeugung, als mit Zielgruppen- Anpasserei, mehr mit Schwarzbrot als mit Milchbrötchen.“ Dabei bedeutete Versöhnung für die Gräfin nicht, dass man sich nicht streiten dürfe. Im Gegenteil:
Die von vielen an der Zeit so geschätzte Debattenkultur geht auf Marion Dönhoffs Haltung zurück, Meinungsverschiedenheiten offen und kämpferisch auszutragen, den Leser entscheiden zu lassen, welchen Argumenten er folgen will.
Helmut Schmidt (2009), ihr Herausgeberkollege und früherer Bundeskanzler, zitierte anlässlich ihres 100. Geburtstags im Jahre 2009, inmitten der weltweiten Finanzkrise ihr Buch Zivilisiert den Kapitalismus (Dönhoff, 1997). Ein Aufruf in Buchform, der auf einer Rede Dönhoffs aus dem Jahr 1996 zurückgeht. Diese Rede druckte DIE ZEIT in der Finanzkrise ebenfalls nach (Dönhoff, 2008). Sie zeugt von ihrer liberalen Grundhaltung, weit entfernt von jeglichem Marxismus, wie Helmut Schmidt betont und war doch ein Angriff auf das Gebaren des Kapitalismus Mitte der 1990er, nach dem Sieg im Systemkampf eben über Sozialismus und Kommunismus. Man würde gerne ihre Ansichten hören in der Mitte der 2020er Jahre, in denen die reichsten Männer der Welt einen Reichtum erlangt haben, der wohl damals unvorstellbar war und auch der Einfluss etwa von Elon Musk, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg in der Medienwelt des 21. Jahrhunderts so nicht vorstellbar war.
Ein Leben in der ZEIT
1909: Geboren
Schloss Friedrichstein, Ostpreußen.
1935: Promotion in Basel
bei Edgar Salin.
1945: Ritt gen Westen
Zwei Monate zu Pferd nach Westfalen.
1946: Erste Artikel in der ZEIT
„Totengedenken", „Ritt gen Westen".
1954: Das Ultimatum
Carl-Schmitt-Artikel — Weggang zum Observer.
1955: Zurück als Politikchefin
Bucerius holt sie zurück.
1970: Ostverträge
„Ein Kreuz auf Preußens Grab".
1983: Helmut Schmidt
wird Mitherausgeber der ZEIT.
1987: Barschel-Affäre
„Die Kompaßnadel der Journalisten".
1997: Zivilisiert den Kapitalismus
Ihr publizistisches Vermächtnis.
2002: Gestorben
in Hamburg.
Erster Akt
Dönhoffs Manifest für den Umgang mit dem Osten

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Spannend ist, wie Marion Dönhoff immer auch bereit war, die eigene Position zu überdenken und auch zu verändern, wenn die Einsicht sie dazu bewegte. Zu Beginn der 1990er war das große Thema die Wiedervereinigung und damit verbunden die Suche der Deutschen nach ihrem Miteinander und ihrem Platz in Europa und der Welt. Marion Dönhoff mahnte in ihren Artikeln zur Versöhnung mit dem Osten und legte zwei Manifeste vor: Weil das Land sich ändern muß. Manifest I und Weil das Land Versöhnung braucht. Manifest II. (Dönhoff, 1992a, 1992b). Jetzt, da die von ihr so lange herbeigesehnte Wiedervereinigung erreicht war, war sie keinesfalls triumphierend, sondern um Verständnis und Versöhnung bemüht. Dabei hatte sie sich erst Mitte der 1980er mit der Teilung des Landes abgefunden. In ihrem Buch Weit ist der Weg nach Osten hatte sie sich über sich selbst gewundert, „mit welch starken Gefühlen, mit welcher Ungeduld und Verzweiflung man damals auf alles reagierte, was sich einer Wiedervereinigung in den Weg stellte, auf die alles ausgerichtet wurde - jede Konferenz, jede Note.“ (Dönhoff, 1985, S. XX)
Marion Dönhoff, so Haug von Kuenheim (2010), „schrieb für den Tag“. Doch diese Tagesschriftstellerei, die einem Heinrich Heine noch unangenehm gewesen war, gab die Gelegenheit, an den Debatten der Politik teilzunehmen und mitzumischen. Denn in den 1990er und 1980er Jahren wurden die großen Fragen der Zeit auf den Seiten der großen Zeitungen und Zeitschriften, in der Süddeutschen Zeitung, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und WELT, im SPIEGEL, in der ZEIT und im STERN verhandelt. Der Journalismus war mächtig und so agierten Journalistinnen wie Marion Dönhoff mit publizistischer Kraft im politischen Feld. Viele gingen dabei zu weit und verließen ihre journalistische Rolle, etwa in der sogenannten Barschel-Affäre. Auch in diese Debatte griff die Gräfin mit klarer journalistischer Haltung ein und wies darauf hin, dass der Journalismus in Deutschland seinen Kompass verloren habe.
Die gesamte Berichterstattung rund um den Fall, insbesondere aber das Foto der toten Uwe Barschel von Sebastian Knauer auf der Titelseite des STERN vom 22. Oktober 1987 gilt als ein Tiefpunkt der bundesrepublikanischen Journalismusgeschichte (Schnibben & Skierka, 1988). Die Gräfin schrieb tags darauf in der ZEIT unter dem Titel „Die Kompaßnadel der Journalisten“ über die Aufgabe der Presse, „zu informieren und zu kontrollieren“ und klagte Sebastian Knauer an: „Der Entschluß, ein zweites Mal und nun unter Hintansetzung aller moralischen Bedenken in das Zimmer einzudringen, dort in Papieren herumzuwühlen, diese Papiere zu photographieren und das Badewannen-Photo zu schießen, ist nicht nur kriminell, sondern zeugt von einer Abgefeimtheit und Abgebrühtheit, die einfach widerwärtig ist.“
Und sie beklagte die mangelnde Ausbildung des Journalisten: „Er hat auch keine sachbezogene Ausbildung zu absolvieren und kennt unter Umständen nur die häufig fragwürdigen Maßstäbe des Mediums, bei dem er angestellt ist.“ Zum Ende fragt sie:
»Wohin zeigt der Kompaß der Journalisten? Ich würde sagen: auf präzise Recherchen, Erforschung der Tatsachen, Gewissensprüfung und das Gemeinwohl.«
Die Barschel-Affäre gilt noch heute als wichtige Wegmarke der westdeutschen Journalismusgeschichte. Eine weitere spannende Episode in der Geschichte der ZEIT, in der die Gräfin eine bedeutende Rolle spielte, war der Wechsel des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt zur ZEIT (siehe hierzu auch Birkner, 2014). Nach den Plänen von ZEIT-Verleger Gerd Bucerius sollte Schmidt nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt im Oktober 1982 zusammen mit Dönhoff Herausgeber werden. Die beiden waren schon länger befreundet und Döhhoff beriet Schmidt, nachdem Gerd Bucerius ihm den Herausgeber-Posten angeboten, jedoch an eine Bedingung geknüpft hatte. Der neue Kanzler Helmut Kohl hatte Neuwahlen für den 6. März 1983 angekündigt. Entgegen allen Prognosen befürchtete Bucerius, die SPD könne die Wahl doch noch gewinnen und dann, so schrieb er in seinem Angebot an Schmidt, könne man dem Sieger „nicht außerdem noch als Trophäe die ZEIT mitgeben. ‚Die ZEIT geht mit dem Sieger‘, würde es dann heißen. Das wäre gegen die Tradition des Blattes. Bleibt aber eine CDU-Regierung (vielleicht mit der FDP), dann wäre es die Tradition der ZEIT, dem Gegner eine Plattform zu bieten, zum Beispiel als Herausgeber. Das also ist mein Vorschlag. Aufgabe der Herausgeber: Verlag und Redaktion beraten.“ (Brief von Bucerius an Schmidt, zitiert nach Soell, 2008, S. 268)
Marion Gräfin Dönhoff schrieb Schmidt am 7. Januar 1983, Theo Sommer habe ihr „am Telefon den Brief vorgelesen, den Bucerius Ihnen geschrieben hat. Ich habe das Gefühl, auf einer Achterbahn hin und her geschaukelt zu werden und so besorgt mich der Gedanke, Sie könnten, auf solche Weise durchgeschüttelt, die Lust verlieren und auf die Weiterreise verzichten.“ Schmidt hatte der Gräfin bereits geschrieben, dass ihn „die Sache“ außerordentlich interessiere und er sich „über eine engere Zusammenarbeit mit Ihnen“ sehr freuen würde. Die SPD verlor erwartungsgemäß die Wahl am 6. März 1983 und Helmut Schmidt wurde Mitherausgeber der ZEIT. Am 26. März 1983 schrieb Die Bild-Zeitung in ihrer Hamburg-Ausgabe: „Schmidt – Neue Karriere: Journalist in Hamburg. Alt-Kanzler Helmut Schmidt (64) wird Journalist. Ab 1. Mai ist er Mitherausgeber der Hamburger Wochenzeitschrift Die Zeit. Verleger Dr. Gerd Bucerius (76): ‚Er wird honoriert wie die bisher alleinige Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff.‘ In Branchenkreisen schätzt man sie auf 200.000 Mark im Jahr.“ Bei einem der Gespräche auf eine Zigarette mit Giovanni di Lorenzo erklärte Schmidt, er habe letztlich aus Gründen der Gleichbehandlung das gleiche Gehalt wie die Gräfin haben wollen und sei dann doch bei der ersten Abrechnung erstaunt gewesen, dass die Gräfin „nicht übermäßig bezahlt wurde“. (Schmidt & Di Lorenzo, 2009, S. 163).
Eine Journalistin in einer Männerdomäne
Gleichbehandlung war sicherlich auch für die Gräfin wichtig, eine Feministin aber war sie nicht (Harpprecht, 2009, S. 489), da sind sich fast alle ihre Weggefährten, übrigens fast ausschließlich Männer, sicher. Und doch hat Marion Dönhoff mit Alice Schwarzer die bekannteste Feministin des Landes die einzige autorisierte und noch zu Lebzeiten erschienene Biografie schreiben lassen (Schwarzer, 1996). Und obschon sie keine Feministin war, ein Vorbild war sie, so sah es jedenfalls Schwarzer bereits 1987 in ihrer Zeitschrift EMMA: „Was wären wir ohne sie? Hätten wir in diesem Nachkriegsdeutschland der fünfziger, sechziger Jahre diesen unerhörten Gedanken, Journalistin werden zu wollen, eigentlich wagen können ohne diesen einen Namen, ohne diese eine Frau in den ersten Rängen des Journalismus?“ In ihrer Dönhoff-Biografie zitiert sie Theo Sommer mit den Worten „Es hat sie nie gestört, die einzige Frau zu sein. Aber ihr Verhältnis zu Frauen war immer schwierig. Sie hat Frauen gleichzeitig verwunderlich gefunden und nicht ganz ernst genommen.“ (Schwarzer, 1996, S. 30)
Die Gräfin hat eine Menge junger Männer bei der ZEIT gefördert, die ihre Buben genannt wurden, darunter auch Theo Sommer, der als „Lieblingsbube der Gräfin“ (Schwarzer, 1996, S. 31) gilt. Gerade in jüngeren Jahren hatte sie über die Arbeit der Buben, neben Sommer auch Hans Gressmann und wenig später auch Haug von Kuenheim, gewacht (Harpprecht, 2009, S. 471). Und auch wenn sie „ihre redaktionelle Verantwortung sehr ernst“ nahm (Harpprecht, 2009, S. 466), von „ihrer Weltneugier konnte und wollte sie nicht lassen.“ Ihr Wissen mehrte sie auch durch unzählige Reisen. Sie liebte die USA, war viel in Afrika unterwegs und im Nahen Osten – 1963 erstmals in Israel und bereits 1962 erstmals in Polen. Sie schrieb über 50 Artikel über Südafrika und Namibia (Harpprecht, 2009, S. 468), viele davon zusammengefasst in ihrem Buch Der südafrikanische Teufelskreis (Dönhoff, 1987). Die neue Redakteure wie etwa Theo Sommer gingen bei der Gräfin in die „Benimmschule des politischen Journalismus“ (Schwarzer, 1996, S. 184-185), was durchaus eben auch bedeutete, so Sommer: „Vor den Meinungen hatten gefälligst die Fakten zu stehen“ (zitiert nach Schwarzer, 1996, S. 185). Sommer musste nach dem erfolgreichen Volontariat (à zur Geschichte des Volos siehe Venema, 2023) allerdings erst noch seine Doktorarbeit verteidigen (Janßen, 1995), bevor er bei der ZEIT richtig beginnen konnte. Harpprecht (2009, S. 471) wundert sich: „Die Promotion ist ein Zopf, den die ZEIT aus weiß der Himmel welchen Gründen nicht abschneiden wollte.“
Theo Sommer löste die Gräfin, seine Förderin und Fürsprecherin, dann 1973 als Chefredakteur ab, Dönhoff wurde Herausgeberin. Da hatte sie gerade einer der größten ihrer Kämpfe hinter sich. Denn die Gräfin hatte nicht nur vehement für die Wiedervereinigung geworben, sondern auch für die Aussöhnung mit Polen und die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition seit 1969. Willy Brandt war sich, wie auch Richard von Weizäcker, sehr sicher, dass es die Ostpolitik „ohne die publizistische Unterstützung einiger Medien, voran Marion Dönhoff“ nicht gegeben hätte (Hofmann, 2019, S. 217). Gerade weil sie ihre Güter und Ländereien in Ostpreußen hatte hinter sich lassen müssen, war sie eine geradezu unerlässliche Wegbereiterin der Ostverträge. Die Neue Züricher Zeitung (12.03.2002) erinnerte anlässlich ihres Todes 2002 noch einmal daran:
»Gerade weil sie so viel verloren hatte, besaß ihre Stimme auf der Suche nach Versöhnung so viel Gewicht.« - Neue Züricher Zeitung (2002)
Willy Brandt hat sie eingeladen, 1970 mit ihr nach Warschau zu reisen. Sie hatte zugesagt und doch blieb sie am Ende fern, weil „sie es nicht übers Herz brachte, den Kanzler zur Vertragsunterzeichnung zu begleiten“ (Hofmann, 2019, S. 217). „ein Glas auf den Abschluss des Vertrages zu trinken, das erschien mir plötzlich mehr, als man ertragen kann“, schrieb sie in der Absage an Brandt (Dönhoff, 2001, S. XX). Als dieser dann im Warschauer Ghetto auf die Knie sank, war sie nicht dabei.
Dem war ein enormer innerer Kampf vorausgegangen, gut dokumentiert von Radosław Supranowicz (2019), der die Artikel der Gräfin in der ZEIT zu diesem Thema ausgewertet hat, von dem Ritt nach Westen 1946 bis zur Unterzeichnung der Ostverträge 1970. Diese kommentierte sie in der ZEIT unter der dramatischen Überschrift „Ein Kreuz auf Preußens Grab“ [Dönhoff 20.11.1970], indem sie Möglichkeit ausschloss, die ihre ostpreußische Heimat noch einmal in den Grenzen Deutschlands zu sehen (Supranowicz, 2019, S. 169). Der Weg nach Westen war auch für sie weit.
Der Ritt gen Westen
Noch 1965 hatte sie die folgenden, viel zitierten Worte an Ludwig Raiser geschrieben: „Ohne Übertreibung und ganz kühl überlegt: Wenn man mir heute sagte, ich würde in drei Tagen tödlich verunglücken, würde ich damit wesentlich leichter fertig werden, als mit dem Verlust meiner ostpreußischen Heimat." (Zitiert nach Hofmann, 2019, S. 299, vgl. von Kuenheim, 2010). Und 1964 schrieb sie, bei aller Sympathie für Polen, in der ZEIT: „Niemand, der aus dem Osten kommt, wird auf Land verzichten". (Dönhoff 04.09.1964) Und 1962 hatte in Zweifel gestellt, dass „unsere Generation das Recht hat, endgültig auf Gebiete zu verzichten, die zum Teil über 700 Jahre deutsch waren“ [Dönhoff 02.03.1962].
Aber im gleichen Jahr schrieb sie auch: „Die polnischen Familien, die heute in unseren alten Ostgebieten leben, ihre Kinder, die dort geboren sind, sie alle brauchen sich keine Sorge zu machen, niemand hat die Absicht, sie gewaltsam von dort wieder zu vertreiben.“ [Dönhoff 05.09.1962] Aber die neue Ostgrenze wollte sie nicht akzeptieren, auch nicht 1959: „Nein, eine Grenzziehung zwischen zwei Völkern, die von dritten Mächten festgelegt und erzwungen wird, zu der werden beide Partner kein Vertrauen haben können. Vielmehr: Der eine kann dazu kein Vertrauen haben, der andere wird sich dadurch wahrscheinlich nicht verpflichtet fühlen“ [Dönhoff 17.04.1959].
1959 saß sie als Politikchefin der ZEIT fest im Sattel, und zwar wieder, seit 1955. Dem war jedoch, vor dem inneren Kampf um den Osten, ein schwerer Konflikt in der Redaktion der ZEIT voraus gegangen, der der Gräfin nach London geführt hatte. Von dort aus holte sie Gerd Bucerius zurück, nachdem er sich vom Chefredakteur Richard Tüngel getrennt hatte.
Gerd Bucerius
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Helmut Schmidt (Common Wiki)
Mit-Lizenzträger der ersten Stunde bei der ZEIT war Gerd Bucerius. Als einer der wenigen wirklich unbescholtenen Deutschen stürzten sich die Briten geradezu auf ihn, um ihn zum Aufbau der deutschen Demokratie zu bewegen. Auch wenn er bescheiden meinte, sich „ganz schön gebückt zu haben“ (Zitiert nach: von der Heide/Wagener 2002: 166), so stellt doch sein Biograph Ralf Dahrendorf fest, er habe sich nicht besonders tief geduckt (Dahrendorf 2000: 43). Während des Krieges verteidigte er jüdische Angeklagte. Noch 1983, zum 40. Jahrestag der Bombardierung Hamburgs, wollte die Stadt ihm seine Ehrenbürgerwürde wieder abnehmen, weil er in der ZEIT schrieb, während noch heute alle um die vielen Getöteten in der Stadt trauerten, habe er sich um die britischen Bomber gesorgt. (Dahrendorf 2000: 44). Mit seinem Biographen Ralf Dahrendorf sowie seinem späteren Herausgeber, dem Altbundeskanzler Helmut Schmidt, verbindet Bucerius die Liebe zu England (Vgl. Birkner 2005: 22ff). Diese Bewunderung für England scheint eine Art Garantie für Liberalität und unerschütterlichen Glauben an die Demokratie zu sein. Zunächst war Bucerius bloß Lizenzträger der Zeit, denn er war einige Zeit auch Hamburger Bausenator, Mitglied der CDU und des Frankfurter Wirtschaftsrats und schließlich des Bundestages.
Erst Ende 1957 konnte Bucerius sich nach gerichtlichen Auseinandersetzungen die alleinige Verantwortung für das Wochenblatt sichern (Harpprecht, 2009, S. 441) und sich, nachdem er auch 1962 CDU-Mandat niedergelegt hatte, ganz „seinem publizistischen Lieblingskind, der Wochenzeitung DIE ZEIT“ widmen (Birkner, 2014, S. 28). Der Historiker Axel Schildt (2008, S. 21) spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer „zweiten Gründung der Zeit“. In der Spiegel-Affäre (à verlinken zum SPIEGEL), die eigentlich eine Strauß-Affäre war (Helmut Schmidt im Gespräch mit dem Spiegel zum 50. Jahrestag der Affäre »Umtaufen in Strauß-Affäre«, Interview mit Helmut Schmidt, in: Der Spiegel, Nr. 39, 24. September 2012, S. 74 75, hier S. 74), zeigte sich, so Klaus Harpprecht (2009, S. 463), die „Solidarität der Journalisten und der Verleger: Gerd Bucerius ordnete ohne einen Augenblick des Zögerns an, dass die ZEIT-Redaktion zusammenrücken und die Hälfte der Räume den Kollegen vom SPIEGEL zur Verfügung gestellt werden sollte“. Harpprecht (2009, S. 464) nennt den Ausgang der Affäre „die Reifeprüfung“ für die Demokratie in der Bundesrepublik.
Dönhoffs Ultimatum
Fünfter Akt
Dönhoffs Ultimatum

Gleich nach dem Krieg hatte es einerseits Militärzensur der Alliierten gegeben und die Briten waren zugleich bemüht, auch in Hamburg „angloamerikanische Grundsätze, wie die Trennung von Nachricht und Meinung und das Prinzip objektiver Berichterstattung durchzusetzen“ (Wilke, 1999, S. 17). Die ZEIT war von Beginn an im Konflikt mit den Alliierten, denn sie stand deutlich „weiter rechts als die CDU“ (Dahrendorf, 2000, S. 94) und wurde, in der journalistischen Unabhängigkeit, im Ton immer revanchistischer. Insbesondere Chefredakteur Richard Tüngel ließ viele Rechte fürs Blatt schreiben, darunter auch Carl Schmitt.
Das gefiel der Gräfin nicht, die redaktionsintern zu verstehen gegeben hatte, dass, wenn noch ein weiterer Artikel von Carl Schmitt in der ZEIT erscheinen sollte, sie die ZEIT verlassen werde (Janßen, von Kuenheim & Sommer, 2006, S. 111). Seit 1952 war sie Politikchefin. Am 29. Juli 1954 erschien dann auf Seite drei, ein Artikel von Carl Schmitt, während die Gräfin in Irland bei ihrem Bruder weilte (Hofmann, 2019, S. 137). Sie eilte zurück und ging dann tatsächlich weg, und zwar zum Observer nach London (von der Heide & Wagener, 2002, S. 183; Schwarzer, 1996, S. 175). Lange hatte die noch recht unerfahrene Journalistin geschwiegen, nun aber schrieb sie an Richard Tüngel: „Wer den Geist des Nationalsozialismus gepredigt hat oder die Sprachregelung der Presse gelenkt hat, soll für alle Zeiten von der Mitarbeit an einer politischen Zeitung wie der unseren ausgeschlossen werden.“ (Zitiert nach Dönhoff & Bucerius 2005: 23, vgl. Weiß 2001: 241). Den Observer führte damals David Astor nach der Devise „trying to do the opposite of what Hitler would have done” (zitiert nach Hofmann, 2019, S. 226). Astor, so schreibt es Harpprecht, der auch viel über die Liebe zwischen den beiden schreibt, gewährte jedoch auch der Gräfin „nicht mehr als das übliche Taschengeld für Hospitanten: drei Pfund in der Woche (sie wollte es nicht anders, dessen darf man gewiss sein)“ (Harpprecht, 2009, S. 439). Astor war stets um Ausgewogenheit bemüht, wobei diese beim Observer hausintern als Unentschiedenheit verspottet wurde: „Die Nicht-Entscheidung des Herausgebers ist endgültig“ (zitiert nach Hofmann, 2019, S. 227). Und doch brachte die „Gräfin“ dieses „Pro und Contra“ mit zur ZEIT, als Bucerius sie schließlich 1955 zurückholte und wieder zur Politikchefin machte. Seither kam die von der Gräfin gewünschte Debattenkultur in die ZEIT.
Insofern hatte diese englische Episode durchaus etwas Gutes, denn sie stärkte den Einfluss des britischen Journalismus und der Gräfin bei der ZEIT. Die Herren der ZEIT waren zunächst Gerd Bucerius, Ewald Schmidt, Lovis H. Lorenz und und Richard Tüngel und die Dönhoff war zunächst einmal die Neue, ohne journalistische Vorerfahrungen – „als Amateurin musste sie erst einmal eine Art Volontariat absolvieren“ (Janßen, 1995, S. 35). Mit ihren ersten beiden Artikeln aber, die bereits in der der fünften Ausgabe vom 21. März 1946 beginnt ihre Zeit bei der ZEIT: „Totengedenken“ und „Ritt gen Westen“. In einem Nachruf auf die Gräfin in der FAZ schrieb der Schriftsteller Siegfried Lenz (2002):
»Sartre sagte: Schreiben ist Handeln; bald nach dem Ende des Krieges entschloß sich Marion Dönhoff schreibend, die Lehre aus den Lektionen zu ziehen, die die Geschichte uns erteilt hatte. Sie wurde Journalistin.«
Den Artikel zum Totengedenken nennt Harpprecht (2009, S. 351) „mutig“ und erinnert, wie die Gräfin, dass die Briten das Erscheinen verhindern wollten.
Zum Ritt gen Westen schrieb Harpprecht (2009, S. 351), das „Protokoll ihrer Flucht“ sei „das Fundament ihres Ruhmes als Autorin“ geworden. Denn sie war tatsächlich, so schreibt sie in diesem Artikel, zwei Monate lang, vom 21. Januar bis zum 20. März 1945 aus der ostpreußischen Heimat nach Westen geritten, bis nach Vinsebeck in Westfalen. Dort angekommen, wusste sie zunächst nicht, was sie hätte tun sollen, beziehungsweise, hätte sie wohl alles getan.
Gerade im Westen angekommen, Sie hatte nichts zu tun, wie sie sagt und verfasste ein Memorandum für die Briten, „das auf unerklärliche Weise in die Hände der Mannschaft geriet, die sich in Hamburg anschickte, Die Zeit ins Leben zu rufen.“ Von Kuenheim, 2003). Diese Herren bemühten sich, mit der Autorin in Kontakt zu treten und sie baten, nach Hamburg zu kommen. Diese heute etwa zweieinhalbstündige Reise dauerte damals einen ganzen Tag, eine Nacht und noch einen halben Tag, zu Fuß zum Teil. So wurde die Gräfin Teil der Redaktion der ZEIT, zunächst jedoch als Lehrling.
Im Interview mit Spiegel-Online sagt sie: „Ich hatte zwar promoviert und einen großen Besitz geleitet, aber noch nie eine Zeitung von innen gesehen.
Tatsächlich war sie von Ostpreußen aus zum Studium nach Frankfurt am Main gegangen und von dort aus, 1934, nach Basel, weil die Nationalsozialisten nun in Deutschland an der Macht waren und der von ihr verehrte Professor Edgar Salin nun dort lehrte, bei dem sie 1935 promovierte. Sie verfolgte allerdings keine wissenschaftliche Karriere, sondern ging zurück nach Ostpreußen, wo sie den Familienbesitz leitete auf dem sie 1909 als Marion Hedda Huberta Ilse Gräfin Dönhoff geboren wurde. Ihr Vater war bei ihrer Geburt schon 65 Jahre alt und als er 75-jährig verstarb, war sie erst 10 Jahre alt. Dennoch hat er sie wohl geprägt: „Auf einem langen, schmalen Tisch in seinem Arbeitszimmer lagen täglich, neben den deutschen Zeitungen, deren Spanne von der Kreuz-Zeitung bis zur Frankfurter reichte, The Times, Le Temps und der Figaro“, schrieb sie 1988 in ihren Erinnerungen an die „Kindheit in Ostpreußen“ (Dönhoff, 2009, S. 35, Hervorhebungen im Original). Wegen der schlechten Augen des alten Vaters, so schreibt Stefanie Grossmann in einem Porträt auf ndr.de, habe „die kleine Marion dem Vater aus Tagezeitungen wie der Times, dem Figaro und dem (sic!) Frankfurter“ vorgelesen. Insofern wurden vielleicht ja doch die Grundlagen dieser außergewöhnlichen Journalistinnenkarriere auf Schloss Friedrichstein gelegt.
Quellen
Birkner, T. (2014). Mann des gedruckten Wortes. Helmut Schmidt und die Medien. Edition Temmen. · Blumenauer, H. (Hrsg.). Einführung in die journalistische Methodik. VEB Bibliographisches Institut. · Clemens, G. (1997). Britische Kulturpolitik in Deutschland 1945-1949. Franz Steiner. · Dahrendorf, R. (2000). Liberal und unabhängig – Gerd Bucerius und seine Zeit. Beck. · Dönhoff Marion Gräfin. 1964. Versöhnung – ja, Verzicht – nein. „Die Zeit“ vom 04.09. · Dönhoff Marion Gräfin. 1970. Ein Kreuz auf Preußens Grab. „Die Zeit“ vom 20.11. · Dönhoff, M. (1985). Weit ist der Weg nach Osten. Deutsche Verlags-Anstalt. · Dönhoff, M. (1987a). „Die Kompaßnadel der Journalisten“ https://www.zeit.de/1987/44/die-kompassnadel-der-journalisten · Dönhoff, M. (1987b). Der südafrikanische Teufelskreis. DVA. · Dönhoff, M. (1992a). Weil das Land sich ändern muß. Manifest I. Rowohlt · Dönhoff, M. (1992b). Weil das Land Versöhnung braucht. Manifest II. Rowohlt. · Dönhoff, M. (1997). 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